„Gender Cage – revisited“: Zur Rekonfiguration von Geschlechterdifferenzierungen in Organisationen postmoderner Gesellschaften

Mit der Transformation moderner Industriegesellschaften sind auch die Geschlechterverhältnisse in Bewegung geraten. Im Fokus des Projekts steht die Organisation, die als zentrale Instanz der Moderne nicht nur an der Herstellung des „Rationalitätsmythos Hierarchie“ beteiligt ist, sondern auch an der De-Thematisierung von Geschlechterhierarchien. Der Titel des Projekts wurde daher in Analogie zur klassischen Veröffentlichung von DiMaggio/Powell von 1983 „The Iron Cage revisited” gewählt.

Das Projekt will, anknüpfend an dieses Bild, einen weiteren Schritt zur Entschlüsselung des komplexen, wechselseitigen und widersprüchlichen Zusammenhangs von „Organisation, Geschlecht und Gesellschaft“ unternehmen und aufzeigen, welche Rolle die Organisation in der gesellschaftlichen Re- und Neukonstituierung von Geschlechterdifferenzierungen spielt. Ausgegangen wird sowohl von einer Dynamik gesellschaftlicher Erwartungen, die sich in einem Umbau von Geschlechterregimen widerspiegelt, als auch von einer Dynamik in den Bedingungen organisationaler Funktionserfüllung (etwa in Form des Umbaus von Hierarchiemodellen), die sich wiederum als ein Katalysator für den Wandel von Geschlechterdifferenzierungen in Organisationen erweist, denn Restrukturierungen sind immer mit einer Infragestellung „alter“ Ordnungen (Strukturen, Handlungsmuster, Leitbilder) verbunden. Bislang haben es Organisationen nicht nur verstanden, Hierarchien zu legitimieren, sondern auch "Gleichheitsfassaden" zu erzeugen, hinter der eine Vielzahl von Praktiken der Diskriminierung verborgen geblieben ist. In Anbetracht aktueller Wandlungsprozesse stellt sich allerdings die Frage nach dem unsichtbaren „Gender Cage“ erneut. Formiert er sich ganz neu? Lösen sich die Gitterstäbe auf? Untersucht werden soll, wie Organisationen den seit einiger Zeit zunehmenden gesellschaftlichen Gleichstellungsdruck bearbeiten.

Dazu soll ein neues Beobachtungs- und Analyseinstrumentarium entwickelt werden, um innerbetriebliche Verarbeitungsformen und Transformationen gesellschaftlicher Erwartungen zu erfassen. Ziel ist es, auf der Basis einer Mehrebenenanalyse und einem Mix aus qualitativen und quantitativen Methoden ausgewählte Organisationstypen entlang der Dimensionen (formale) Hierarchie und Geschlechterdifferenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz einer vergleichenden Analyse zu unterziehen und Wandlungsprozesse der Geschlechterverhältnisse in Organisationen zu identifizieren.